ich kenne dich nicht (andacht)

Als Neuling im OGV ist es durchaus möglich, dass mir dieser Satz immer wieder entgegenschlägt: „Ich kenne dich nicht!“ Woher sollen Sie mich auch kennen? Von daher finde ich es auch nicht weiter schlimm, wenn ich diesen Satz zu hören bekäme – was mir bis dato noch nicht passiert ist.

Deutlich erschreckender finde ich die Vorstellung, wenn mir dies vor dem Thron Gottes passieren würde, so wie es Jesus in der Bergpredigt in Matthäus 7,22-23 schildert: „Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: >Herr, Herr! Haben wir nicht in deinem Namen prophetisch geredet, in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunder getan? Dann werde ich zu ihnen sagen: >Ich habe euch nie gekannt. Geht weg von mir, ihr mit eurem gesetzlosen Treiben!<“

Es kann also durchaus passieren, dass ich hier auf der Erde unendlich viel versuche, für Jesus auf die Beine zu stellen. Und dennoch sagt Jesus dann vielleicht zu mir: „Ich habe dich nicht gekannt“?

Sehr berührt hat mich eine Geschichte, die genau diese Situation vor dem Thron Gottes schildert. Zu etlichen Wartenden hat Jesus bereits gesagt: „Ich kenne dich nicht!“ Jetzt kommt der nächste an die Reihe und sagt:

„Mich musst du doch kennen, Jesus! „Ich bin doch mein Leben lang in die Kirche gegangen. Bei mir zu Hause ist alles in bester Ordnung gewesen. Meine Kinder waren wohlerzogen und höflich. Wir haben als Familie regelmäßig in der Bibel gelesen. Ich habe in drei Arbeitskreisen in der Gemeinde mitgearbeitet. Ich habe in Versammlungen gebetet. Mensch, ich habe sogar Versammlungen geleitet! Ich bin auf Gemeindefreizeiten mitgefahren. Ich war dabei – ich bin dabei! Ich gehöre dazu!“

„Tut mir Leid“, sagt Jesus, „das ist alles bestimmt richtig, aber ich habe dich nie gekannt!“

„Aber mich kennst du doch!“ Diesmal ist es ein sehr selbstbewusster, elegant gekleideter Mann. „Ich habe auf riesigen Evangelisationen gesprochen – Tausende von Menschen weinten und lobten Gott und sangen. Wir hatten wunderbare Chöre mit dabei. Das war sozusagen das Markenzeichen meiner Versammlungen. Und wenn ich dann gesprochen und aufgerufen hatte, nach vorn zu kommen, strömten die Leute nur so nach vorn, um auf das Wort, das sie gehört hatten, zu antworten. Sie fielen sogar haufenweise rückwärts um, wenn ich sie berührte oder auch nur mit dem Finger auf sie zeigte. Manchmal reichte es sogar schon aus, nur in ihre Richtung zu pusten, und schon lagen sie flach! Meine Kampagnen waren berühmt! meine Fernsehsendungen waren berühmt! Jeder wusste, wie ich aussah! Sogar meine Haare waren berühmt! Ich war – ich war – ich war so was von berühmt!“

„Ich bezweifele nicht, dass du sehr, sehr berühmt warst“ pflichtet ihm Jesus bei, „aber ich habe dich nie gekannt!“

„Hallo, ich bin’s!“ ruft der nächste in der Schlange. „Ich war eine führende Persönlichkeit in der Heilungs- und Befreiungsbewegung. Aber wirklich eine führende Persönlichkeit. Ich kann gar nicht mehr nachzählen, wie viele leidende Menschen durch meine Hand eine übernatürliche Heilung erlebt haben, und hunderte von Menschen wurden im Namen Jesu vollmächtig befreit. Ich habe Programme und Systeme entworfen, die überall auf der Welt angewendet wurden. Ich habe Vorträge und Schulungen und Vorlesungen gehalten. Ich – ich habe Bücher geschrieben und Kassetten veröffentlicht! Mich kannte jeder!“

Jesus schüttelt langsam den Kopf. „Ich nicht, leider. Ich habe die Bücher gelesen und mir die Kassetten angehört. Sie waren wirklich gut. Aber dich habe ich nie gekannt.“

„Ich war der Experte zum Thema Gebet!“, ruft ein anderer, plötzlich von Panik erfüllt.

„Nun, ich hoffe, es hat dir viel Befriedigung verschafft, als der Experte zum Thema Gebet zu gelten, denn ich habe dich nie gekannt.“

„Sieh mal“, sagt ein ganz lockerer, vernünftig aussehender Typ, „ich glaube, du wirst mir wohl zustimmen, dass ich den meisten Fallen aus dem Weg gegangen bin, in die diese anderen hier getappt sind. Ich habe mich nicht von irgendwelchen Schaumschlägereien einfangen lassen, aber ich habe auch nicht nur herumgesessen und nichts getan. Ich habe Zeitschriften gelesen, mir meine Meinung gebildet, Briefe geschrieben, ich war immer auf der Höhe. Ich habe begriffen, wie wichtig es ist, dass man nicht nur redet, sondern auch handelt. Und ich fand eine geistliche Heimat in einer Konfession, die meinem Temperament wirklich entsprach, und ganz ehrlich, ich glaube, mir ist es gelungen, die richtige Balance zu erzielen.“

„Und ganz ehrlich, ich muss dir sagen, wie viel Balance du auch immer erzielt haben magst, ich habe dich nie gekannt!“

Ganz schön beängstigend, diese Aussicht, nicht wahr? Wie in aller Welt sollen wir es denn schaffen, in den Himmel zu kommen – gerecht zu werden – wenn es diese christlichen Superstars, die sich eben zu Wort gemeldet haben, nicht schaffen, in den Himmel zu kommen?

Dann stellen sie sich bitte noch eine weitere Person vor, die zu Jesus kommt. Diesmal ist es Simon Petrus, und er steht an der Reling seines voll beladenen Fischerbootes und späht unter der flachen Hand hindurch zum fernen Seeufer hinüber. Der Mann, der dort bei einem frisch angezündeten Feuer steht, ist verantwortlich für den riesigen Fang, den sie gerade gemacht haben, und nun hat Petrus plötzlich begriffen, wer er ist.

„He, Jesus!“ schreit er, „Ich bin’s! Ich bin der, der so fürsorglich und hilfreich sein wollte, als du aus irgendeinem Grund entschlossen schienst, zu sterben. Aber du wurdest wütend auf mich und nanntest mich Satan und sagtest mir, ich solle dir aus den Augen gehen!

Und ich war es, der sein Schwert gezogen hat, als sie in jener schrecklichen Nacht in den Garten kamen, um dich zu holen. Ich hätte dich bis zum Tode verteidigt. Aber du heiltest den einzigen Soldaten, den ich tatsächlich angriff, und sagtest, das sei nicht die Art von Hilfe, die du gebrauchen könntest. Danach wusste ich nicht mehr, was ich für dich tun konnte, und rannte einfach davon. Ach, und ich war es, der dreimal gelogen und abgestritten hat, dich zu kennen, weil es mir so peinlich war und ich solche Angst hatte. Und dann habe ich endlos geweint, weil ich dich so mies im Stich gelassen hatte.

Und weißt du, was ich jetzt tun werde? Ich werde über die Reling diese Bootes springen und so schnell ich kann übers Wasser rennen, bis ich da bin, wo du bist. Und das werde ich tun, weil ich dich liebe und mir diese ganzen anderen Sachen ganz egal sind. Ich will nur bei dir sein, mehr als alles andere auf der Welt, und nur das zählt!“

Und als Petrus dann ans Ufer kommt und vor seinem Meister steht, dann wird Jesus ihn anschauen und lächeln und sagen: „Ich kenne dich. Du bist Petrus, und weil du mich wirklich liebst, werde ich dir die Schlüssel zu meinem Reich geben.“ (Frei nach Adrian Plass, Das Tour-Tagebuch des frommen Chaoten; S. 73-77).

Es kommt nicht darauf an, was wir alles Tolles für Jesus machen. Viele Menschen reißen sich ein Bein für Jesus aus, vergessen dabei aber, diese tollen Sachen auch mit Jesus zu tun. Was nützt der tollste Urlaub, den sie für ihre Frau zum Geburtstag buchen, dann aber vergessen, ihre Frau tatsächlich auch mit in den Urlaub zu nehmen?

So geht es vielen Christen sicherlich auch mit Jesus. Es werden tolle Veranstaltungen für ihn geplant, aber oftmals wird vergessen, sie mit ihm durchzuführen.

Lernen sie, Jesus zu lieben und dann tun sie, was er ihnen sagt. Der Rest wird sich dann sicherlich von selbst ergeben. Nur durch Liebe zu Jesus Christus können wir dann gerecht vor dem Thron Gottes stehen. Wenn ich Jesus von ganzem Herzen liebe und mein Leben ihm anvertraue und unter seine Leitung stelle, dann wird er am Jüngsten Tag sagen: „Ich kenne dich. Du bist Arne Christian Sawall. Und weil ich dich kenne, wirst du auch einen Platz in meiner himmlischen Wohnung haben.“

Wenn ich durch den OGV reise und die Menschen mir sagen: „Ich kenne dich nicht!“, kann ich das gut verkraften. Sie werden mich noch kennen lernen. Wenn Jesus allerdings zu mir sagt: „Ich kenne dich nicht!“ habe ich – gelinde gesagt – ein Problem. Dann habe ich keine zweite Chance mehr, dass er mich kennen lernt. (A.Christian Sawall, im "Nachrichtenblatt" des Ostfriesischen Gemeinschaftsverbandes, Oktober/November 2006)

31.10.06 14:09

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Bettina von Arnheim (28.12.11 01:06)
Wie erleuchtet sie doch im einfachen Geist sind. Wohl ihnen ... sie haben das Verstehen erarbeitet und erkämpft, fernab jeder ausgezeichneten Plattitüde. Halten sie an diesem Geist fest, es ist mehr wert als alles Gold auf dieser Erde.

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