Die etwas andere Weihnachtsgeschichte (Andacht)

Sicherlich kennt ihr die Weihnachtsgeschichte, wie sie in Lukas 2 zu lesen ist. Alle Jahre wieder hört man sie ja. Sie wird Weihnachten in der Kirche vorgelesen, in der Jungschar wurde sie X-mal durchgekaut und womöglich wird auch noch mal zu Hause vorgelesen.

Aber ich möchte sie euch dennoch einmal vorlesen. Hört mal genau zu, vielleicht entdeckt ihr dieses Mal etwas Neues an der Geschichte:

1 Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2 Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3 Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.

4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, 5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6 Und als sie dort waren, kamen sie an eine Herberge. Und siehe da, Josef klopfte an die Türe, um nach einer Unterkunft zu fragen und sprach: „Siehe, wir haben eine weite Reise hinter uns. Meine Frau ist schwanger und die Zeit ist nahe, da sie gebären wird. Habt ihr einen Raum für uns?“ Der Wirt aber sprach: „Ich habe keinen Raum. Siehe, selbst im Flur schlafen die Menschen auf Strohmatten. Wegen der Schätzung sind zu viele Menschen in der Stadt. Ich habe keinen Platz für euch frei.“ Und so verschloss der Wirt die Türe wieder. Und so zogen sie weiter, Josef, der Zimmermann aus Nazareth und seine Frau Maria, die war schwanger.

Und siehe, sie kamen an eine andere Herberge. Abermals klopfte Josef und sprach: „Guter Herr, meine Frau ist schwanger und wir haben eine weite Reise hinter uns. Siehe, die Zeit ist nahe, dass sie gebären wird! Der Wirt aber sprach: „Platz habe ich schon, aber für den morgigen Tag hat sich eine Reisegruppe aus Rom angemeldet. Wenn ich euch den Raum gäbe, müsste ich ihn erst sauber machen, bevor die Gruppe kommt. Aber siehe, meine Reinigungskraft hat Urlaub bis zum dritten Tag des ersten Monats und meine Frau liegt krank danieder, sodass ich das Haus selber putzen muss. Ihr hättet eher buchen sollen. Wenn ihr bereits vor vier Monaten gebucht hättet, so hättet ihr den Super – duper Frühbucherrabatt „Shalom“ in Anspruch nehmen können. Der beinhaltet ein Doppelzimmer mit kerngefederter Ehe-Strohmatte, eine eigene Waschschüssel auf dem Zimmer sowie täglich frischer Bettwäsche zum halben Preis des doppelten Einzelzimmers. Dazu gibt es ein reichhaltiges Frühstücksbuffet nach Art des Hauses inklusive täglich einem freien Feigencocktail pro Person pro angefangener Nacht. So aber kann ich euch nicht weiterhelfen. Gehabt euch wohl!“ Mit diesen Worten verschloss der Wirt die Türe wieder. So zogen sie weiter, Josef, der Zimmermann aus Nazareth und seine Frau Maria, die war schwanger.

Und siehe, sie kamen abermals an eine Herberge. Zum dritten Male klopfte Josef an die Türe und sprach: „Siehe, wir haben eine weite Reise hinter uns und meine Frau ist schwanger. Die Zeit ist aber schon sehr nahe herbei gekommen, da sie gebären soll. Habt ihr nicht einen Raum für uns?“

Der Wirt aber antwortete und sprach: „Guter Mann. Gerne würde ich euch helfen. Aber siehe, meine Schwiegereltern sind gerade zu Besuch und meine Schwiegermutter ist geplagt vom leichten Schlaf. Sobald sie nur das leiseste Geräusch hört, wacht sie auf.“ Und siehe, eine kreischende Stimme erhob sich im Hintergrund und sprach: „Jakob, mach endlich die Tür zu, du nichtsnutziger Schwiegersohn! Womit habe ich bloß einen solchen Versager als Schwiegersohn verdient? Meine Tochter Souheila hätte ebenso den vermögenden Samuel heiraten können. Dann würde sie jetzt in einem Haus wohnen, wo nicht mitten in der Nacht Gesindel anklopft und die Nachtruhe rechtschaffender Menschen stört. So eine Frechheit, anderer Leute Nachtruhe zu stören. Siehe, schließ die Tür oder du lernst mein Nudelholz kennen!“

Der Wirt aber fürchtete sich sehr und sprach: „Ihr seht, dass dieses Haus von einem bösen Geist beherrscht wird. So zieht nun aber weiter im Frieden des Herrn.“ So zogen sie weiter, Josef, der Zimmermann aus Nazareth und seine Frau Maria, die war schwanger.

Und siehe, sie kamen wieder an eine Herberge. Und wiederum klopfte Josef an und sprach zu dem Wirt: „Siehe, wir haben eine weite Reise hinter uns und meine Frau ist schwanger. Die Zeit ist aber schon sehr, sehr nahe herbei gekommen, da sie gebären soll. Habt ihr nicht einen Raum für uns?“

Der Wirt aber sah, dass Maria schwanger war und die Zeit des Gebärens sehr, sehr nahe herbei gekommen war und sprach bei sich: „Wenn ich diesen Leuten Herberge gewähre, so wird das ganze Haus und alle, die darinnen wohnen, von dem Geschrei der Frau und des Kindes geweckt. Diesen Stress will ich nicht auf mich nehmen.“ Deshalb antwortete er und sprach zu den beiden: „Siehe, meine Herberge ist gefüllt bis auf die letzte Strohmatte. Ich habe keinen Raum für euch. Gehet hin und versucht es an anderer Stelle.“ Und siehe, so verschloss der Wirt die Türe wieder und Maria und Josef hatten immer noch keine Herberge.

So zogen sie weiter, Josef, der Zimmermann aus Nazareth und seine Frau Maria, die war schwanger.

Und abermals kamen sie an eine Herberge. Und siehe, Maria sah, dass ihr Anvertrauter den Mut sinken ließ. Da erhob sie ihre Stimme und sprach: „Geliebter Mann. Siehe, die Zeit ist sehr, sehr, sehr nahe herbeigekommen, dass ich gebären soll. Wir haben bis jetzt keinen Raum in der Herberge gefunden. Aber siehe, das Kind, das ich bekommen werde, wird Sohn des Höchsten genannt werden, und siehe, er ist es auch. Also wird auch der Höchste uns nicht vergessen, sondern unser gedenken und uns eine Herberge verschaffen.

Josef aber bekam neuen Mut und klopfte abermals an die Türe. Und siehe, als geöffnet wurde, sprach Josef zum Wirt: „Siehe, wir haben eine lange Reise hinter uns. Wir sind müde, erschöpft und meine Frau ist schwanger. Siehe, die Zeit ist wirklich sehr, sehr, sehr nahe herbeigekommen, da sie gebären soll.“

Der Wirt aber antwortete und sprach: „Ich habe keinen Platz in der Herberge. Es sind zu viele denn siehe – falls es dir entgangen sein sollte – es ist gerade ein extrem hohes Menschenaufkommen in der Stadt, weil diese bekloppte Schätzung, die der Kaiser Augustus angeordnet hat, gerade stattfindet. Nun gut, für uns Wirte ist es zwar ein lukratives Geschäft, aber wie ich die Politiker in Rom kenne, so werden sie deshalb garantiert ab dem ersten Tag des ersten Monats des folgenden Jahres die Steuern wieder erhöhen. Was sie dir auf der einen Seite geben, das ziehen sie dir auf der anderen Seite fünffach, zehnfach und hundertfach wieder aus der Tasche.“

Und Josef erhob abermals die Stimme und sprach: „Siehe, auch ich bin Geschäftsmann. Ich habe selber einen Zimmereibetrieb und hoffe, dass mein Sohn, der in sehr, sehr, sehr, sehr naher Zeit geboren wird, diesen einmal übernehmen wird. Von daher kann ich dir durchaus nachfühlen, wie frustriert du über unser soziales System im Lande bist. Aber, siehe: Meine Frau und ich brauchen dringend eine Unterkunft, da sie sehr, sehr, sehr, sehr bald unseren Sohn zur Welt bringen wird.

Und siehe, der Wirt war recht verwundert über die Rede des Josefs und sprach bei sich: „Woher kann dieser Mensch wissen, dass seine Frau einen Sohn bekommen wird, wo er doch noch nichts von Ultraschall und Pränataldiagnostik weiß?“ Und siehe, er fürchtete sich mit großer Furcht über solch prophetische Rede und sprach von daher: „Guter Mann, ich sehe, dass du ein Prophet sein musst. Dann weißt du auch, dass ich keinen Raum habe in meiner Herberge. Aber siehe: ich habe noch einen Stall auf dem Feld, den ich normalerweise an Abenteuertouristen vermiete, die das Adventure-Paket „Leben wie die Hirten“ gebucht haben. Da gerade Nebensaison ist, ist dieser Stall noch frei. Mehr kann ich dir nicht anbieten.“

Und siehe, so gingen dahin Josef, der Zimmermann aus Nazareth und seine Frau Maria, die war schwanger.

Als sie aber an dem Stall ankamen, wie der Wirt ihnen gesagt hatte, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Das ist die Geschichte über die Geburt Jesu Christi. Ein bisschen ausgeschmückt, ein bisschen Humor hineingebracht, aber im Prinzip war es damals so. Jesus musste in ärmlichen Verhältnissen auf die Welt kommen, weil keiner Platz für ihn und seine Eltern hatte.

Ein Wirt nach dem anderen hat sie abgewiesen. Keiner war bereit, die schwangere Maria aufzunehmen. Ich muss sagen, dass ich zunächst einmal dafür auch Verständnis habe. Stellt euch mal vor: Die Herbergen sind brechend voll, sodass man sowieso kaum ein Bein an die Erde bekommt. Es ist sowieso schon tierisch ungemütlich und auch schon relativ laut, sodass man nicht vernünftig schlafen kann. Als Wirt hat man dann auch die Verantwortung für seine Gäste. Sie sind schließlich zahlende Kunden. Dass die nicht gerade begeistert davon sind, wenn da in all dem Trubel eine Frau ihr Kind zur Welt bringt, ist eigentlich irgendwie ganz verständlich.

Aber auf der anderen Seite haben sich die Wirte auch einer großen Chance beraubt. Sie haben sich der Chance beraubt, den Retter der Welt zu beherbergen. Sie hätten die ersten sein können, die Jesus gesehen hätten. Was wäre das für eine besondere Ehre, sagen zu können: „In meinem Haus ist Jesus Christus geboren? Unter meinem Dach ist der Messias zu Welt gekommen? Ich habe den Sohn Gottes beherbergt. Gott selber war leibhaftig bei mir zu Gast! Nicht nur als Einbildung, sondern wirklich ganz real! Jesus ist in meinem Haus!

Dieser Chance haben sich die Wirte in Bethlehem beraubt. Auch der Wirt, der ihnen schließlich den Stall zur Verfügung gestellt hat. Er hat Barmherzigkeit erwiesen. Er hat Mitleid mit Maria und Josef gehabt und hat gesagt: „Okay, hier in meiner Wohnung das Kind zur Welt zu bringen, das gibt einfach einen zu großen Krach und eine zu große Sauerei. Aber ich habe da noch einen Stall, da stört ihr niemanden und da werdet ihr auch nicht gestört. Da könnt ihr in aller Ruhe bleiben und euer Kind bekommen. Da braucht ihr auch keine Angst zu haben, dass ihr jemanden durch die Geburtswehen aus dem Bett schreit oder dass ihr irgendwie etwas dreckig macht. Da kann auch das Kind in aller Ruhe schreien, ohne dass ihr jemanden belästigt.

Einerseits hat dieser Wirt Mitleid bewiesen und gezeigt, dass er ein gutes Herz hat. Auf der anderen Seite aber muss man fragen: Reicht es hin, Jesus einfach einen Stall zuzuweisen?

Ich finde, dass das ein sehr ausdruckstarkes Bild ist. Keiner war bereit, Jesus aufzunehmen. Jeder hatte gute und auch durchaus plausible, nachvollziehbare und verständliche Gründe, Josef und Maria mit dem Kind abzuweisen. Aber im Endeffekt haben sie ihn nur abgewiesen, weil es ihnen zu unbequem war, ihn zu beherbergen. Aus Angst, dass sie ihre eigenen Ansprüche hätten zurückstellen müssen. Deswegen haben sie das Paar immer wieder abgewiesen und am Schluss haben sie einen Platz zugewiesen bekommen, in denen sie in aller Ruhe und ungestört sein konnten, ohne dass sie selbst jemanden störten oder von jemandem gestört wurden.

Ich glaube, dass sich das bis heute bei vielen Menschen nicht geändert hat. Ihr Retter steht bei ihnen vor der Tür, klopft an und will Herberge haben. Sie jammern zwar rum, dass ihr Leben sinnlos ist und dass sie Angst davor haben, was nach dem Tod kommt. Aber auf der anderen Seite sind sie auch nicht bereit, Jesus in ihr Leben zu lassen. Sie lassen es nicht zu, dass Jesus der Sinn ihres Lebens ist. Denn dann müsste man ja vielleicht etwas von seinen Bequemlichkeiten aufgeben. Es könnte ja sein, dass man dadurch eingeschränkt wird. Ob das in Wirklichkeit so ist, sei mal dahin gestellt. Aber manche Leute haben Angst davor, dass sie ihr Leben eben radikal umkrempeln und verändern müssen, wenn sie Jesus in ihr Leben lassen.

Sie gehen dann mit Jesus um, wie die Wirte es taten. Sie haben auch die Chance, Jesus, den Retter der Welt, in ihrem Leben zu beherbergen. Sie schicken ihn aber immer wieder weg, weil sie gerade mit sich selber genug zu tun haben.

Oder sie sind noch so sozial und lassen Jesus in irgendeinen Randbezirk ihres Lebens hinein. Da, wo er gar nicht so auffällt. Da, wo es vielleicht gar nicht mal so verkehrt ist, ein bisschen christlich angehaucht zu sein. Sie meinen, dass es ausreicht, getauft zu sein und sich im Konfitje ein bisschen mit Gott beschäftigen zu lassen. Dann geht man eben noch jedes Jahr zu Weihnachten in die Kirche, lässt sich dann irgendwann noch mal kirchlich trauen und am Ende des Lebens noch kirchlich bestatten, aber mehr Raum hat das Kind in der Krippe in der Herberge vieler Menschen nicht.

Wie viel Raum nimmt dieses Kind in der Krippe in deinem Leben ein? Lässt du ihn auch im Stall und schaust einmal in der Woche im Teenkreis in die Krippe hinein? Oder lässt du Jesus auch in das Zentrum deines Lebens hinein? Übergibst du dem Kind in der Krippe die Kontrolle über dein Haus, über die Herberge deines Herzens? Oder ist die Herberge voll gestopft mit sonst wie vielen anderen Gästen, sodass das Kind in der Krippe nur stört?

Erinnert ihr euch an die Geschichte von Billy Graham, die ich neulich vorgelesen habe? Dass Jesus in alle Räume deines Herzens hinein will und nicht bloß ins Wohnzimmer? Dieses Kind in der Krippe will uns von Grund auf erneuern und der Verwalter, der Chef nicht nur in deinem Herzen, sondern in deinem ganzen Leben sein.

20.12.06 15:54

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lisa-Marie (24.12.12 10:55)
Vielen Dank für diese Andacht, ich les sie heute abend im Kreis meiner Familie vor und hoffe, das ist in Ordnung! :D Be blessed, Lisa

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